Seemannschaftmit Weltumsegler Wilfried Erdmann und
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Seemannschaft mit Wilfried Erdmann

Verschiedene Tipps und Erfahrungen auf Basis von Frage und Antwort. Neben den detaillerten Ausführungen können hier die kurzen Tipps nachgelesen werden.


Festes Dingi oder Schlauchboot?

Zunächst und zu allererst: So ein Winzling muß Außergewöhnliches leisten, sich einer Menge Anforderungen stellen.

Vom Stand der Sicherheit muß es sich gegen Wind und Wellen rudern lassen, um gegebenenfalls Anker auszubringen. Es könnte bei Schiffbruch als Rettungsboot überlebenswichtig sein. Und selbstverständlich die Hauptaufgabe: Es muß zum Transport dienen, wenn die Yacht vor Anker liegt, es muß, um ins Detail zu gehen, Crew und Ausrüstung von und an Bord bringen, notfalls auch Behördenmenschen einigermaßen sicher und trocken übersetzen und Basis sein für Reparaturen am Schiff, schwierige Passage auszuloten, Vergnügungsfahrten zum Tauchen und Angeln zu unternehmen. Das sind einige Aufgaben, für die man ein Dingi haben muß.

An Bord soll das Beiboot leicht und schnell zu verstauen sein, um bei Gebrauch wieder problemlos zu Wasser gelassen zu werden. Es soll also möglichst von geringem Gewicht sein, dies jedoch nicht auf Kosten von Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit.

Das ideale Beiboot sollte außerdem geeignet sein, in einer Bucht mit Brandung anzulanden. In diesem besonderen Fall muß es schnell zu rudern sein, gut Kurs halten, damit es einigermaßen gelingt, im Surf an Land zu kommen, ohne daß eine Welle ins Boot einsteigt.

Am nächsten kommt all diesen Aufgaben das aufblasbare Schlauchboot, und deshalb ist es wohl auch das gebräuchlichste Beiboot. Man kann sagen: Das Schlauchboot hat eine neue Dimension in der Ozeansegelei ermöglicht. Unabhängig von ihrer Größe kann eine Yacht ein ordentliches Beiboot mitführen und verstauen. Schlauchboote haben zudem mit 20 bis 30 Kilo ein geringes Gewicht und sind im Notfall exzellente Rettungsboote. Ich meine hier mit Schlauchboot nicht die Badeboote, die in Kaufhäusern angeboten werden, sondern die aus reißfestem synthetischem Gewebe und beidseitig mit Kunstkautschuk beschichteten. Wir konnten auf unseren Törns mit Marken wie Avon, Zephyr, Zodiac beste Erfahrungen sammeln.

Wie sich ein Schlauchboot bei Wind und Welle rudern läßt ist eine andere Frage. Primär kommt es auf zwei Dinge an: Daß der Ruderer einen guten Sitz hat und die Ruderriemen die richtige Länge haben. In der Standardausführung sind sie meist zu kurz. Für ein neun Fuß (2,70 m) langes Dingi sind zwei Meter lange Riemen und größere Blätter erforderlich. Ein fester Holzboden und ein aufblaßbarer Kiel geben dem Schlauchboot Steifigkeit, um übers Wasser zu gleiten und gegen eine kurze See beim Rudern oder mit einem Außenborder anzukommen.

Sie sehen, ich plädiere für Schlauchboote. Und mein Tip ist stets: Schlauchboote brauchen Luft. Sie müssen in Gebrauch sehr hart aufgepumpt werden. Also nicht zimperlich sein. Pralle Rümpfe lassen sich besser rudern, machen das Boot steif und leben länger.

Das Negative an den Schlauchbooten ist, sie sind erheblich teurer als vergleichbare Kunststoffbeiboote. Zudem halten sie bei weitem nicht so lange, wie man es von einem festen Boot erwarten kann.

Auch überladen kann man ein Schlauchboot, es bleibt weiter manövrierfähig und spielt nicht U-Boot wie feste Dingis. Um ein Dingi aus Holz oder Plastik permanent mitzuführen, muß die Yacht schon eine gewisse Größe haben. Auf einer zehn Meter langen Slup würde so ein sperriger auf dem Kajütdach liegender Gegenstand das Segelleben schon erheblich einengen: Die Sicht voraus wäre eingeschränkt, ebenso Licht und Belüftung der Kajüte, das Arbeiten am Großbaum, womöglich kann der Baumniederholer nicht gefahren werden. Für einen Einzelnen ist es immer eine Aufgabe, ein 2,50 Meter langes Festdingi ins Wasser zu werfen und umgekehrt an Deck zu holen. Wenn schon eine festes Beiboot, dann nur in Davits am Heck. Wer nicht von einem festen Beiboot abzubringen ist, der sollte ein robustes wählen. Man kann ihm mehr abverlangen. Am besten dann auch eines mit einlaminierten Luftkammern und Stauraum für eine Notausrüstung mitsamt Rigg, Segel, Ruder und Schwert, um es bei Schiffbruch als Rettungsmittel benutzen zu können. Ordentlich konzipiert ist das durchaus möglich.

Bei Tagestouren wird ein Dingi häufig geschleppt. Dabei sollte man sicher sein, daß die Schleppöse die Zugkraft aushält, und die Öse möglichst tief am Steven montiert ist.






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