Seemannschaftmit Weltumsegler Wilfried Erdmann und
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Seemannschaft mit Wilfried Erdmann

Verschiedene Tipps und Erfahrungen auf Basis von Frage und Antwort. Neben den detaillerten Ausführungen können hier die kurzen Tipps nachgelesen werden.


Sturmsegeln

Ich habe einige Stürme "abgeritten" – treibend vor Topp und Takel, beigedreht mit Hilfe eines Treibankers, bin unter Segel abgelaufen und mehrfach gegenan. Ziemlich naß, ziemlich anstrengend und vor allem ziemlich deprimierend war es immer.

Jeder Schiffsführer und jeder Bootstyp reagiert auf schweres Wetter anders. Und wer zusätzlich Segelreviere wechselt wird jedesmal andere Erfahrungen machen. Verläßliche Ratschläge und feste Regeln sind illusorisch. Zudem wird mit dem Begriff "Sturm" viel Schindluder getrieben. Sieben Windstärken sind für ein kleines Fahrtenboot richtiger Sturm, für eine 16 Meter lange Segelyacht eine harte Brise.

Normalerweise braucht man beim ersten Mal eine Menge Mumm, danach wird`s einfacher. Leicht jedoch nie.

Sie merken: eine breite Frage. Ich enge sie mal auf die Meere vor unseren Küsten ein. Zuerst und wo auch immer: In einem aufkommenden Sturm keine kleinen Segelflächen zur Hand zu haben, ist das Schlimmste was einem passieren kann. Damit ist die Frage teilweise schon beantwortet, denn grundsätzlich sind unsere Meere zu klein zum sorglosen Beidrehen oder treiben lassen – eine Sturmtaktik, die man auf dem weiten Ozean nutzen kann.

Also relativ passives Sturmverhalten überlassen wir den Ozeanseglern. Wir hier in den begrenzten europäischen Meeren müssen/sollten aktives Begegnen anstreben. Ein Sturm wird um so angenehmer je besser man mit seinen Segeln umgehen kann. Das heißt, wer ausreichend reffen kann, hat die bessere Ausgangssituation. "Die normalen Stürme, das sind Windstärken um 8, wetterte ich meistens in der Kajüte ab. Selbstverständlich nachdem die Arbeit an Deck getan war – Groß durchgerefft, Sturmfock gesetzt, Windpilot eingestellt." Einer meiner Standardsätze zum Thema Sturm. Sturmtaktik beginnt in jedem Fall schon in der Vorbereitung. Seitdem ich mir neue Großsegel leisten kann, haben sie allesamt drei Reffreihen. Damit segelt es sich bei stürmischem Wetter schlichtweg sorgloser. Ich habe mehrere Möglichkeiten.

Zum Beispiel: Beim Verlassen des Skagerraks werde ich von einem Weststurm überrascht, da bietet sich ein Beidrehen unter dichtgerefftem Groß an. Auf Am-Wind-Kurs. Die Fahrt voraus wird – wie gesagt nur mit ein paar Quadratmetern Groß – gering sein. Die Bewegungen und Belastungen tragbar. Die Abdrift unbedeutend. Die beste Sturmtaktik, sofern man nicht vor dem Sturmseen ablaufen kann und das Boot eine gewisse Größe hat. Machbar mit Schiffen ab zehn Meter Länge – auch mit Leichtgewichten, da ist es halt nur lauter an Bord.

Oder die andere Alternative: vor dem Sturm ablaufen. Dabei nicht schneller als Rumpfgeschwindigkeit fahren und kleine verteilte Segelflächen führen. Das Boot läßt sich damit steuerfähiger halten. Die Gefahr, in den Böen quer zu den Wellen zu kommen, ist geringer. Kommt es zu einer Patenthalse bewirken kleine Tuchflächen keine Schäden. Die lassen sich bei rauher See auch leichter handhaben. Ein leichter Kurzkieler wird bei dieser Taktik Vorteile haben, er bricht nicht aus, er wird schnell Fahrt aufnehmen und somit den Brechern einen Teil der Kraft nehmen. Diese Kurse – mit raumem oder achterlichem Wind – steuere ich immer von Hand. Das schreibt sich jetzt so leicht dahin. Es waren jedes Mal harte, nasse, lange, unendlich lange Wachen. Auf keinen Fall wollte ich quer zu den Sturmseen kommen, denn sie bedeuten Gefahr.

Als ich mich Mitte der 60er zum ersten Mal aufs Meer stürzte, wählte ich die Treibanker Variante. Ich warf also den einen Meter langen Trichterförmigen Canvasanker übers Heck und harrte der Dinge. Das ging auch in normalen Stürmen gut. Erst als ich Laufe eines Orkans (Ende März bei den Azoren) alle ausgelegten Trossen und den Treibanker durch Schamfilen verloren hatte, bemerkte ich, daß es auch ohne ging. Das Boot, die 7,60 Meter lange KATHENA, ließ sich besser steuern, und keine Seen füllten das Cockpit wie zuvor, obschon es unvermindert weiterstürmte. Seitdem gehört ein Treibanker für seegängige Schiffe für mich ins Museum.

Zusammenfassend: Ist Seeraum vorhanden, Stürme mit höchstens Rumpfgeschwindigkeit aussegeln. Ist es eng, mit dreifach gerefftem Groß gegenan. Eine gute Möglichkeit ist vor Topp und Takel treiben. Eine Slup wird dann im 60-Grad-Winkel von achtern zu den Wellen liegen.






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