Seemannschaftmit Weltumsegler Wilfried Erdmann und
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Seemannschaft mit Wilfried Erdmann

Verschiedene Tipps und Erfahrungen auf Basis von Frage und Antwort. Neben den detaillerten Ausführungen können hier die kurzen Tipps nachgelesen werden.


Ist ein 8 m-Boot für eine Weltumseglung auf der Passatroute geeignet?

Hier geht es wohl zuerst um die Frage: Ist mein Boot noch seetüchtig, wenn ich alle Bedingungen erfülle, das heißt alle seemännischen und Sicherheitsstandards erfülle, um mit schweren Stürmen fertig zu werden und darüber hinaus vorbereitet zu sein, Notsituationen in den Griff zu kriegen ohne fremde Hilfe anzufordern.

Ohne Zweifel wird ein knapp acht Meter langes Schiff überladen sein, wenn Sie alle Voraussetzungen fürs Gelingen berücksichtigen. Und bekannt ist, daß ein überladenes Schiff, vor allem wenn es noch an den Enden vollgepackt ist, schwerem Wetter wesentlich mehr Widerstand bietet – mit der Konsequenz, daß es nicht voll seetüchtig ist.

Wie kommt es zur Überladung. Ganz simple. Ohne Rettungsinsel und Beiboot segelt heute kein Mensch um die Welt. Weitere Sicherheitsaspekte bringen Gewicht: Überdimensioniertes Rigg, Ersatzsegel, doppeltes Ankergeschirr, ein mehrfaches an Tauwerk, Funk und andere Rettungsmittel, Medikamente, Notpinne, Seeschlagblenden, Navigationsmittel, Werkzeug und für die Stromversorgung zwei 12-Volt-Batterien. Hinzu kommen Proviant und private Versorgung und überhaupt Ersatzteile und die sogenannten Kleinigkeiten. Dann die Motorversorgung. Wenn Sie sich nach heutigen Standards ausrüsten, ist es nicht möglich Kleinbootsegeln über die Weltmeere durchzuführen.

Nehmen Sie eine(n) Mitsegler(in) mit, sehen Sie den Wasserpaß nur mit Hilfe einer Taucherbrille. Und: Ist das Boot ein Leichtbau wird es kritisch. Es ist zudem noch laut, ermüdender beim Segeln und bietet nicht allzuviel Komfort. Immer gilt es zu bedenken: Alles muß sorgfältig und zugänglich verstaut werden, sonst ist die ganze Chose an Bord zu haben sinnlos.

Ich würde von dieser Konstellation – sieben bis acht Meter, zweckmäßige Ausrüstung, Motor, zu zweit – abraten. Zwar sind schon erfolgreiche Reisen mit Booten dieser Größenordnung gemacht worden, doch sie sind nicht unbedingt nachahmenswert. Meine erste "Kathena" war 7,50 Meter lang, aber ich war solo und führte nur eine spartanische Ausrüstung mit. Obendrein war mein Boot ein Verdrängertyp mit vollen Linien.

Soviel zu den Problemen, jetzt zu den Lösungen: Wählen Sie eine Segelyacht von acht bis neun Meter Länge. Womöglich können Sie mit dem Terminus – mindestens sieben Meter Wasserlinie – mehr anfangen. Es gibt in der 30-Fuß-Klasse herrliche Angebote auf dem Gebrauchtmarkt: Hurley, Friendship, Bandholm, Vancouver, Dehler 31 ... Diese Boote sind von der Bauart hinsichtlich Selbstaufrichtung bei Kenterung ausreichend berechnet. Ausgestattet mit soliden Seerelings, Cockpits, normalgroßen Fenstern, Haltegriffen und einem Heckspiegel, an dem man locker eine mechanische Selbststeueranlage montieren kann sind sie für Langfahrt schnell verwendbar. Sie sind nicht allzu hochbordig, bieten also Sturmseen nicht abnorm viel Widerstand und sind optisch noch ansehnlich und verfügen über einen ordentlichen Innenraum. Zur Erinnerung: Eine Weltumseglung, wie Sie Ihnen vorschwebt, besteht aus einem Drittel Seetagen und zwei Dritteln Buchten und Häfen. Also für eine Weltumseglung muß ein Schiff nicht nur seetüchtig sein, sondern auch bewohnt werden können. Ein gewisser Komfort in der Kajüte zur Erhaltung der Segelfreude und der körperlichen Kondition sollte immer gewährleistet sein.

Ohnehin: Das wichtigste ist das Geld, das man für den Kauf ausgeben will/kann. Mit einem Boot über die eigenen Verhältnisse hat man am wenigsten Freude. Man wird immerfort an die Kosten denken. Eine zu billige Yacht wird im Endeffekt noch teurer. Durch schlechte Verarbeitung häufen sich Defekte und somit Reparaturen. Es stellt sich Unsicherheit ein. All das kann einem den Spaß am Segeln nehmen. Den richtigen Kompromiß – Traumyacht/Geldbeutel – zu finden ist die Aufgabe.






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