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Das Neueste aus Goltoft | 26. Juli 2000
Eine eigene Homepage zu haben, ist eine wunderbare Sache.
Nur sollte man versuchen, sie aktuell zu halten. Ist mir
leider nicht geglückt. Die Ursache: Ich stehe mitten in
der Vorbereitung zu einem langen Segeltörn um die Erde.
Genauer nochmals zu einem Nonstop-Törn. Allerdings
diesmal gegen die vorherrschenden Windrichtungen. Also Kap
Hoorn, Neuseeland, Kap der Guten Hoffnung bleiben diesmal an
Steuerbord liegen. Dies auf dem Papier kundzutun, da
muß ich selbst noch immer tief Luft holen. Mit Kathena
nui plane ich diese nasse Sache. Täglich und seit
Monaten führe ich Listen und schleppe Unmengen von
Ausrüstung an Bord. Es ist wohl inzwischen alles
mehrfach dort: Segelnähnadeln, Kocherdüsen,
Taschenlampen, Logbücher, all die sogenannten
Kleinigkeiten wie Bleistifte, Dosenöffner,
Spaghettisieb, Nagelschere, Familienfotos,
Wörterbücher, Splinte undsoweiter. Doch noch
bleiben Fragen offen. Wieviel Liter Petroleum nehme ich
bloß mit für meinen Kocher? Die Logistik
beschäftigt mich am Tag und ja leider auch manchmal
schon nachts. Das wichtigste am Gelingen ist halt die
Vorbereitung. Und da ich einige Jahre daran arbeite und viel
Zeit und Mittel investiert habe, möchte ich
selbstverständlich nichts Wesentliches vergessen.
Welcher Teufel hat mich geritten, mir die hohen
südlichen Breiten nochmal anzutun? Und gegen den Wind.
Das Alter? Meinung einiger Freunde. Ich sehe die Fahrt als
Aufgabe. Mit einem kleinen Boot, für diesen Kurs
allemal, und einfacher Ausrüstung solch einen Törn
zu bewältigen, wäre für mich großartig.
Aber: Das allergrößte für mich ist immer
noch einfaches Segeln in Verbindung mit langen Strecken.
Kathena mag zwar nur 10,50 m lang sein, aber die
maßgebenden Dinge wie Rumpf, Rigg, Segel und
Selbststeuerung sind in hervorragendem Zustand. Sie sollten
allen Widrigkeiten standhalten.
Ich liege derzeit in Missunde an der Schlei. Der Tag
verläuft in etwa so, daß ich halbtags am Boot
arbeite und die andere Zeit mit Zusammentragen und Kaufen
von Zubehör beschäftigt bin.
Ende Juli geht's nochmal mit dem Schiff in die Werft -
frischer Antifouling Anstrich. Dann wird Proviant gekauft.
Ein großer Tag. Danach kommen hoffentlich die neuen
Segel von Beilken, von 2,8 bis 40 Quadratmeter, die allesamt
zur Kontrolle auf der großen Breite/Schlei hochgezogen
werden sollen. Von Freunden und Bekannten verabschieden und
via Kielkanal geht`s nach Cuxhaven.
Ab Mitte August muß ich dann startklar sein.
Näheres wird zu lesen sein in YACHT 17, am 9. August 2000.
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Das Neueste aus Goltoft | 15. Juni 2000 | Text-Datei zum Runterladen
Am
19. Mai 2000, exakt um 11.37 h berührt der Kiel der
Kathena nui die Wasseroberfläche der Schlei,
zerschneidet sie und Sekunden später schwimmt mein Boot
im trüben Hafenwasser der Marina Brodersby. 12 Jahre
stand das 10,50 Meter lange Schiff ununterbrochen aufgebockt
auf einer Kuhkoppel hinter unserem Haus. Normalerweise
sollte man Luftsprünge veranstalten, wenn man sein Boot
nach so einer verdammt langen Zeit seinem Element wieder
überläßt. Doch es langt bei mir gerade
für ein gutes Gefühl. Astrid, meine Frau, sorgt
sich derweil um Fotos. Ich werfe rasch einen Blick in die
Bilge. Klasse, trocken. Dann hängt auch schon der Mast
am Kran und muß sofort gesetzt werden.
Schließlich sind wir in einer Werft, der nächste
Kunde wartet bereits auf seinen Sliptermin. Aber Kathena nui
macht keine Probleme, sagt doch der Slipmeister erfreut:
"Ihr seid die einzigen in diesem Jahr, die keinerlei Anlagen
im Masttop montiert haben." Während ich die
Spannschrauben durchsetze, schlägt Astrid die Segel an.
Kathena nui ist motorlos. So müssen wir halt segeln, um
das Schiff zu verholen. Nachdem Fallen und Schoten klariert
sind, stoße ich das Boot vom Werftkai ab. Im Nu stehen
Groß und Klüver, und weg sind wir mit Kurs die
Schlei ein Stück runter. Alles funktioniert
vorzüglich. Astrid und ich haben nichts verlernt. Sanft
legt sich das Boot nach wenigen Augenblicken zwischen die
Dalben des Missunder Fährhauses. Erst hier freuen wir
uns über das Comeback der Kathena nui. Mit einem
Sixpack Asgaard. Das ist das göttliche Bier der
Wikinger, das in Schleswig gebraut wird.
Nonstop und allein um die Erde segeln ist das höchste für einen Fahrtensegler. Das habe ich mit Kathena nui geschafft. Obwohl die Fahrt 15 Jahre zurückliegt fühle ich mich nach wie vor diesem Boot besonders nahe. Nirgendwo während all meiner Segeljahre war das Wetter auf der Nonstop-Route so wechselhaft, die Stürme furchterregender, meine Stimmungen unterschiedlicher als auf der 271-Tage-Reise von Kiel nach Kiel.
Warum
hat nun das Boot so viele Jahre unter einer grauen Plane auf
dem Trockenen ausharren müssen. Erstmal wollte ich
dieses Schiff behalten, also nicht wie meine anderen Boote
verkaufen. Zum anderen kam mir im Laufe der Jahre
häufig etwas dazwischen. Beispielsweise 1989 für
den STERN die doppelte Atlantiküberquerung mit der
Superyacht GATSBY. Im Jahr darauf, unmittelbar nach dem
Mauerfall, erkundete ich mit einer Jolle fünf Monate
lang kreuz und quer das Segelrevier Mecklenburg-Vorpommerns.
Dann folgte eine unserer schönsten nordischen
Sommerreisen: die gesamte Ostsee, inklusive baltische
Länder, bis hinauf nach Haparanda und retour durch den
Götakanal. Jahre später folgte die Nordsee in
ganzer Ausdehnung. In der Zwischenzeit Bücherschreiben
und Kurzreisen - privat wie für Firmen. Wieder für
den STERN organisierte und segelte ich einen monatelangen
Protesttörn gegen die Atombombenversuche auf dem
Mururoa Atoll im Pazifik. Und dann war da auch ein Jahr mit
sehnsüchtigen Gedanken an eine erneute Langfahrt. So
ging die Zeit dahin.
Kathena
nui ist ein Aluminiumboot, eine vollverschweißte
Konstruktion. Einige Leser werden sich erinnern. Ich habe
das Boot damals schlecht und schlimmer teilweise nicht
ausgebaut und vor allem nicht isoliert. Das haben wir
inzwischen nachgeholt. In monatelanger Arbeit wurde die
gesamte Inneneinrichtung überarbeitet und ergänzt.
Hunderte Brettchen wurden zwecks Isolierung und
Schönheit verschraubt und weiß (matt) gestrichen.
Aufbau und Deck machte Astrid mit Zweikomponenten Farbe von
International und Sand rutschfest. Genauer: Ostseesand wurde
von ihr mehrfach mit Frischwasser gewaschen und durch ein
Teesieb auf die frisch gestrichene Farbe gestreut. Nachdem
die Farbe durchgehärtet war, wurde der lose Sand
abgekehrt und das Deck nochmals gestrichen. Der aufgestreute
Sand sozusagen versiegelt. Es sieht gut aus und wichtiger,
es ist absolut rutschfest. Wenig Arbeit machte das
Unterwasserschiff. Es hat die Standzeit fabelhaft
überstanden. Keine Farbe hat sich über die Jahre
gelöst, schon gar kein "Aluminiumfraß"
stattgefunden. Nur mit CleanOkay, eimem Reinigungsmittel
wurde es sorgfältig gewaschen und anschließend
"mechanisch" naß geschliffen. Ein Anstrich Antifouling
Primer und zwei Schichten Trilux Antifouling (International)
wurden aufgetragen.
Hier
und da waren einige technische Installationen etwas
schwergängig. Die Winschen zum Beispiel, die nahm mein
Sohn Kym auseinander, der Ruderschaft wurde mit Spüli
durchgewaschen, die Aries, eine mechanische
Selbststeueranlage, mit WD40 gereinigt und gefettet. Eine
Freude war der Mast. 12 Jahre Lagerung in einer Scheune hat
er einwandfrei überstanden: keine einzige Oxydation in
der Nähe der Nieten und Nirobeschläge. Also, alle
Beschläge am Profil sind makellos. Sie wirken
vertrauenerweckend. Hier muß ich dem Mastbauer Herrn
Köncke von der Firma Reckmann für seine Arbeit
sehr danken. Das klingt alles sehr euphorisch, soll es auch,
schließlich läßt sich ein Mast mit
außenlaufenden Fallen einfacher auf seinen Zustand
kontrollieren und abschließend beurteilen. Eine der
angenehmsten Tätigkeiten vor einer Reise ist das
Auswählen und Auspacken von neuem Tauwerk. Ich bekam
von der Firma Liros einen Karton voll geschenkt - zum
Geburtstag. Prestretch, Color, Herkules die gängigen
Marken. Ich bevorzuge vor allem verschiedene Farben,
sodaß sie auch bei Dunkelheit deutlich zu
unterscheiden sind. Probleme bereitet mir immer, genau wie
Löcher durchs Aluminiumdeck bohren, diese schönen
langen grünen und weißen Enden zu zerschneiden.
Ich kann mich schwer entschließen. Andererseits: Wenn
man neue Fallen einschert, Schoten und Smeerreeps auf
Länge bringt ist man fast schon unterwegs. Aber nur
fast.
Spürbar
ist, daß ein lange nicht benutztes Boot wesentlich
mehr Arbeit macht als zunächst angenommen. Derzeit
liege ich immer noch am Steg des Missunder
Fährhauses/Schlei und montiere täglich
irgendetwas: eine Leiste, die 12-Volt Batterie, einen Haken.
Die neue 30 Meter lange Ankerkette (8 mm) wird neuerdings
direkt durch einen Ketteneinlauf durchs Deck in den
Ankerkasten geführt. Doch solch ein wasserdichter
Ketteneinlauf-Beschlag ist im Handel nicht erhältlich,
folglich mußte ich das Stück aus Niro anfertigen
lassen. Neue Relingsdurchzüge einziehen und Wassertanks
reinigen sind dagegen simple Tätigkeiten.
Gegenwärtig freue ich mich sogar auf die Frage: Wann
geht es wieder los? Ich habe nämlich eine Antwort:
"Nächste Woche Dänemark. Nächsten Monat
Schweden."Und dann? Wenn alles gut geht und ich mit den
ersten Segelstücken zufrieden bin, wahrscheinlich zu
einem Meer, das nur ihr, Kathena nui, gehört - und mir.
Jedenfalls fühlte ich es damals so. Vor 16 Jahren war
es für mich das größte Meer der Welt: das
Südpolarmeer.
Copyright 2000, Wilfried Erdmann, alle Rechte vorbehalten, alle Angaben ohne Gewähr.
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