Wismar - Warnemünde 40 Seemeilen | 30. Mai 2003
Erst seit Kirchdorf/Insel Poel fühle ich mich "unterwegs". Tags zuvor hatte ich nämlich endlich einen kompletten Segeltag - also von A nach B voll durchgesegelt. Alle anderen waren nur Chaostage, wettermäßig (umlaufende Winde, Starkwind, kein Wind) - immer musste der Motor zu Hilfe genommen werden. Chaostage auch bezüglich Bruch: Stets ging etwas kaputt. Das Schlimmste bisher die ausgebrochene Mastkeep im Topp - fast einen ganzen Meter. Herr Asmus vom "Poeler Bootsbau" hat mir die Sache repariert und mit zwei lagen Epoxy verstärkt. Der Defekt kam zustande, als ich auf Amwind-Kurs mit einem Reff bei 5 bis 6 Windstärken voll in eine Welle knallte.
Chaostage auch auf See - bis Kirchdorf. Ich fühlte mich unsicher auf der freien Ostsee. Teils lags daran, dass alles an Bord "spiegelblank" lackiert ist, Cockpitboden, Aufbau etc. Nix zum Festhalten und in der Bilge schwappt noch immer Wasser.
Tja, aber mit Kirchdorf habe ich einiges abgelegt. Und es folgten drei oberherrliche Segeltage. Zwar auch an der Kreuz, aber bei stetigem Wind und normaler Welle. Drei Tage musste ich aufgrund des Mastschadens das Großsegel zweifach gerefft fahren.Ulkig die Reaktionen der vorbeisegelnden Crews und immer deren kurbelnde Handbewegungen. Womöglich kam ihnen der Gedanke: "Na, der Alte kann wohl nicht mehr.
Anfangs kam ich auch mit dem Bordleben nicht zurecht: kriechen, kriechen, kriechen. In der Kajüte ist nicht mal "Sitzhöhe" vorhanden. Man kann bei Regen (gabs reichlich) nicht darin hocken - eben Jolle. Und so sind auch die Bewegungen auf See: schaukeln, schaukeln, schaukeln. Hat schon was von Masochismus. An Land herrscht eine Stunde nach Ankunft weiter "Seegang".
Wo liegt also der Reiz? Am Unvernünftigen - Jolle/ Alter/ Ostsee. Zwar ist der Landstrich, den ich bisher erkundete wenig exotisch, ebenso die Menschen, doch das wird sich ändern, da bin ich mir sicher.
Warnemünder Segel-Club
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