Ahrenshoop Pfingstmontag | 9. Juni 2003
Sturm. Aus West-Südwest. Sehr heftig. Sitze jetzt frühmorgens im leeren Cafe gegenüber vom Hafen. Alles nicht so einfach: lange Tage. Gestern hatte ich zwei Ankerplätze, Wustrow/Hafen und landete gegen 18.00 Uhr hier in Althagen/Ahrenshoop - eine halbe Stunde vor einer schweren Gewitterfront. Vorher war es furchtbar heiß, ich glühte noch bis in die Nacht.
Insgesamt war ich die letzten vier Tage außerordentlich beweglich: Prerow, Barhöft, Dabitz. Plus vor Anker, plus Gegenwind. Und plus zwei Mal festgekommen - trotz Schwert. Das Schwert hatte sich einfach in den lockeren Sand/Schlick eingegraben, als ich eine Sandbank auf Kreuzkurs geschnitten habe. Morgens um 05.20 Uhr, als ich Dabitz (das ist der Steg, an dem für Bootslänge plus einen Meter vorne und achtern kassiert werden sollte) verließ. Beim ersten Festsitzen sprang ich noch mit T-Shirt und Unterhose über Bord, um mich frei zu schieben. Das ging jedoch nicht, so schleppte ich den Anker in tieferes Wasser und zog mich runter. Fünf Minuten später dasselbe, allerdings nackt. Sicher ein ulkiges Bild im ersten Licht des Morgens: Ein nackter Mann, der sein Boot von einer Bank zieht. Die Bodden haben zur Zeit weniger Wasser als normal.
Es ist ja alles schön, überall wurde viel gemacht, aber auch langweilig. Die Leute sind nicht so gesprächig wie damals, 1990, und generell, da ich jeden Winkel kenne, nicht spannend. Mensch, Mensch. Und Urlauber, also dagegen sind Damp, Kappeln etc. kalter Kaffee. Alle Lokale übervoll. Das brummt hier richtig.
Zu meiner Tätigkeit: Kamera, Polaroid, Tagebuch, Boot warten, Wäsche - es ist genug zu tun. Eine halbe Stunde brauche ich immer, bevor es Segel oder Motor aufgeht. Was mich am meisten überrascht ist die Uhrzeit - zwischen sechs und sieben lege ich ab. Der schönste Tag, der perfekte Tag, ist immer noch der von Warnemünde nach Darßer Ort. Ein leichtes Gleiten unter Segel aus dem Alten Strom/Warnemünde. Dann dicht entlang der herrlichen Sand- und Dünenküste bei halbem Wind um 4 Windstärken, später 5-6, wo ich auch den richtigen Zeitpunkt erwischte, das Großsegel zu reffen. Über das Flach von Darßer Ort mit fünf Kreuzschlägen bei sehr kabbeliger See (SE 4-5) und hinein in den leeren Hafen. Perfekt fest an der Boje (Heck) und Bug (Steg) - unter Segel. Nun kann ich aus meiner Freibordhöhe so eine Boje natürlich leicht greifen - im Gegensatz zu den hochbordigen Yachten, wie ich später beobachten konnte. Viele mussten zwei/drei Anläufe nehmen.
Na, jedenfalls war ich in Hochstimmung an diesem Tag. Um 15.00 Uhr gabs Frühstück! So gelöst war ich aufgrund seglerischer und seemännischer Umsicht bisher noch nie. Klappte grundsätzlich alles besser/fließender. Meine aber, es hat zu lange gedauert (drei Wochen) bis ich mich sicher auf See und bei den Hafenmanövern mit K. G. fühlte. An meine Karambolage am ersten Tag in Schleimünde denke ich noch oft: Hansa-Jolle versenkt Bavaria. Schon merkwürdig, dass bei dem Kracher bei mir am Boot nix passiert ist.
Heute nachmittag, sofern der Wind nachlässt, will ich Richtung Barth - dazwischen liegt die Brücke Meiningen - öffnet heute nicht mehr - und morgen um 9.30 Uhr nur ein Mal.
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